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Verurteilung des ehemaligen BayernLB-Vorstandsvorsitzenden

Bewährungsstrafe für Ex-Landesbankchef Schmidt

Wie die SZ heute schreibt (siehe Link), ist Ex-LB-Chef Werner Schmidt im Rahmen eines Deals mit dem Gericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten sowie einer Geldauflage über 100.000 Euro verurteilt worden. Für das “Geständnis”, Jörg Haider bestochen zu haben, wurde dafür der Vorwurf der Untreue im Zusammenhang mit dem Kauf der Hypo Alpe Adria Bank fallen gelassen.

Die strafrechtliche Aufarbeitung der Milliardenpleite endet damit mit nur einem Urteil gegen frühere Manager und Aufsichtsorgane. Die zivilrechtliche Aufarbeitung des Debakels um BayernLB und HGAA verläuft leider auch im Sande. Die Milliardenverluste bleiben, neue Milliardenverluste stehen an!

Ihre heute traurige Milliardengrab-Redaktion

Kemmer: Erst BayernLB ruinieren, dann die Welt erklären

Am Donnerstag (6.9.12) war wieder der unsägliche Michael Kemmer talken im Fernsehen. Ich kann nicht fassen, dass der immer wieder eingeladen wird.
Kemmer ist der, der als Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesbank in hohem Bogen rausgeschmissen wurde, weil er, so wurde eilfertig erklärt, sich nichts zu Schulden hatte kommen lassen. Deshalb gab es noch einen Goldenem Handschlag, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die BayernLB unter seiner Mitwirkung in dubiosen „Wert“-Papier-Geschäften mindestens 10 Milliarden € Steuergelder verbrannt und auch noch eine bankrotte Bank gekauft hatte. Auf der Straße hat ihn dann sofort der Bundesverband deutscher Banken aufgeklaubt und zum Hauptgeschäftsführer und Vorstandsmitglied gemacht.
Das war zu einem Zeitpunkt, als sein früherer Arbeitgeber Landesbank, der
Bayerische Landtag und die Staatsanwaltschaft bereits wegen schweren
Pflichtverstößen gegen ihn ermittelten. Das sagt schon viel über die deutschen
Banken.

Zwei Landesbank-Untersuchungsausschüsse
Über Kemmer selber gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass er an der größten Pleite der CSU in Bayern maßgeblich beteiligt war [siehe hier auf diesen Seiten]. Ich hab ihm in zwei Landesbank-Untersuchungsausschüssen gegenübergesessen. Das erste Mal, 2008, vor der Landtagswahl, ging es um sogenannte Subprime- bzw. ABS-Papiere, also um 36 Milliarden €, die Kemmer und seine Kollegen in billige Häuser-, Handy-, Gebrauchtwaren- und andere Konsumkredite vor allem in den USA gesteckt hatten. Ein Teil der Milliarden ist dann ja auch dort geblieben, so dass nach der Landtagswahl Landesbank und CSU plötzlich eingeräumt haben, dass die BayernLB sofort mit 10 Milliarden € Steuergeldern und nochmal 10 Milliarden öffentlicher Bürgschaften gestützt werden musste. Davor aber, im Untersuchungsausschuss haben Kemmer und Kollegen noch erklärt, dass sie alles richtig gemacht haben, dass es alle so gemacht hätten – und dass wir als politische Laien im Unterschied zu ihnen, den Weltwirtschaftsexperten, keine Ahnung hätten.
Im zweiten Untersuchungsausschuss 2010 waren Kemmer und seine Kollegen dann deutlich schweigsamer. Der Untersuchungsausschuss befasste sich mit dem Kauf der Kärntner HGAA durch die Bayerische Landesbank. Dabei
hatte die Bank 3,75 Milliarden € in den Sand gesetzt und noch weitere gut 3
Milliarden als Dauerdarlehen ausstehen – Milliarden, die die Republik
Österreich als heutige Eigentümerin als verkapptes Eigenkapital einbehalten
will. Da waren also allerhand Fragen offen. Aber obwohl Kemmer eingangs noch
ausführlich darlegte, er sei „daran interessiert, hier zur Transparenz beizutragen“, hat er dann nicht mal die banalsten Fragen beantwortet wie: „Wer hat bei Verwaltungsratssitzungen Protokoll geführt?“ „Waren Sie Aufsichtsratsmitglied der Hypo Group Alpe Adria?“
Wie alle anderen hat er die Aussage verweigert – um sich nicht angesichts des
staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens möglicherweise selber zu
belasten.

Haltet den Dieb!
Heute redet Kemmer wieder umso eifriger. So hat er schon mal rausposaunt: “Wir haben keine Bankenkrise, sondern eine Staatsschuldenkrise, weil wir schon zu lange über unsere Verhältnisse leben.“ Das sagt der Mann, der an führender Stelle mit dazu beigetragen hat, dass die bayerischen und österreichischen Staatsschulden drastisch nach oben schnellten! Weiter hieß es damals im ZDF-Text, „der Bundesverband der deutschen Banken appelliert nach den Beschlüssen von gestern an die Politik, den Reformdruck auf Griechenland und die übrigen in Bedrängnis geratenen Länder der Euro-Zone aufrechtzuerhalten. Nur dann sei gewährleistet, dass die Beschlüsse zu Schuldenschnitt, Rekapitalisierung der Banken und Hebelung des Rettungsschirms auch die gewünschten Erfolge zeigen, sagt Kemmer zu den Ergebnissen des EU-Gipfels.“ Meinen die, dass sich niemand auch nur ein, zwei Jahre zurückerinnern kann? Denn das sind alles Maßnahmen, die die deutschen Banken vor kurzem noch als Teufelszeug vehement abgelehnt haben. Aber dass die Politik sie nicht trotzdem gegen die Bankenlobby durchgesetzt hat, ist natürlich Politikversagen.

Selbstüberschätzung und Medienlogik
Warum wird so einer trotzdem immer wieder ins Fernsehen eingeladen? Der Nobelpreis-Träger für Wirtschaft, Daniel Kahneman, hat u.a. Funktion und Wirkung von Selbstüberschätzung bei Führungskräften untersucht. Besonders bei Übernahmen, also z.B. der HGAA durch die Bayerische Landesbank, spielt die eine große Rolle: „Die Chefs großer Unternehmen schließen manchmal
gewaltige Wetten auf teure Fusionen und Akquisitionen ab, wobei sie von der
falschen Annahme ausgehen, sie könnten die Vermögenswerte eines anderen
Unternehmens besser nutzen als dessen gegenwärtige Eigentümer.“ Das ist
natürlich fast immer eine Illusion. Die Schlussfolgerung Kahnemans kann uns
kleine Lichter kaum überraschen: „Die Führungskräfte der übernehmenden
Gesellschaft sind schlichtweg weniger kompetent, als sie zu sein glauben.“ Bei
den Zeugenbefragungen in den Landesbank-Untersuchungsausschüssen war das mit Händen zu greifen.
Aber Kahneman hat in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“
noch eine andere Erkenntnis parat, zu „Experten“ in Fernsehsendungen: „dass die Experten mit der stärksten Selbstüberschätzung am ehesten eingeladen wurden“. Das haben wir uns natürlich auch schon immer gedacht. Aber jetzt haben wir es auch noch wissenschaftlich bestätigt. Also kein Wunder, dass
Kemmer so oft zum Talken kommt.

Ihr Sepp Dürr

Ergebnis HGAA Untersuchungsausschuss in Kärnten: Bayern kauften Hypo im Blindflug

Die Daten für die Due Diligence waren bis zu fünf Jahre alt,
auf Gewährleistungsansprüche wurde trotzdem verzichtet.

Wie der Standard berichtet kommt der Untersuchungsausschuss des Kärntner Landtags in seinem vorläufigen Abschlussbericht zu deckungsgleichen Ergebnissen wie sie auch wir im Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags feststellen konnten. Lesen Sie selbst!

Der Bericht der Kärntner listet ebenso gravierende Fehler der BayernLB-Organe auf und wiederholt unsere Erkenntnis, dass man nichts anderes als “die Katz im Sack” gekauft hatte.

An dieser Stelle erneuere ich meine Forderung nach rechtlichen Schritten – nicht nur gegen den damaligen Vorstand sondern auch gegen den damaligen Verwaltungsrat. Der Kauf der HGAA war eine grob fahrlässige Pflichtverletzung der Verantwortlichen.

Ich bin gespannt, wann die Verfahren endlich eröffnet werden.

Ihr Sepp Dürr

BayernLB: Jahresbilanz 2011

Zwischen multiplem Kontrollversagen und Zukunftsperspektiven

„Als großer Erfolg des Untersuchungsausschusses gilt unbestrittenerweise schon heute, dass es gelungen ist, die politische Verantwortung für das Milliarden-Debakel herauszuarbeiten und die damaligen Vorgänge offenzulegen.“ (SeppDürr, MdL, im März 2011 zum HGAA-Untersuchungsergebnis)

BayernLB Jahresrückblick 2011 mit Eike Hallitzky

BayernLB Jahresrückblick 2011 mit Eike Hallitzky

War das Kontrollversagen bei der HGAA ein Einzelfall? Wurden aus der politischen und z. T. auch rechtlichen Verantwortung für das HGAA-Debakel konsequent die richtigen Schlussfolgerungen für das aktuelle Kontrollverhalten gezogen? Welche Rolle spielt die Landesbank-Kommission als Kontrollinstitution?

Welche Konsequenzen müssen aus diesen Antworten gezogen werden?

Der Fall Gribkowsky

Gribkowsky hat sich mutmaßlich der Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung schuldig gemacht. Sein 66-Millionen-Euro-Deal wurde erst möglich durch das fahrlässige Verhalten im Bankenvorstand und im Verwaltungsrat. Das 4-Augen-Prinzip, nach dem bei wichtigen Entscheidungen sich mindestens zwei Personen damit inhaltlich auseinandersetzen müssen, ist in der Bank zu keiner Zeit angewendet worden. Es hatte auch niemand die nahe liegende Idee, angesichts der neuen Marktsituation eine externe oder zumindest interne Bewertung der Formel1-Rechte einzufordern. Stattdessen wurde alles, was Gribkowsky wollte, abgenickt, weil alle froh waren, die Rechte los zu sein.

Dabei gab es zum Verkaufszeitpunkt eine neue Marktsituation. Der Wert der Rechte hing maßgeblich davon ab, ob die Idee einer alternativen Rennserie verwirklicht wurde oder nicht. Zudem hatte – außer der BayernLB, die aber alle Zuständigkeit an Gribkowsky abgegeben hatte – niemand Interesse an einem hohen Verkaufspreis.

Mehrere Zeugen aus dem Gribkowky-Verfahren stützen die These, dass die Rechte deutlich mehr wert waren als 839 Millionen Dollar.

Auf Aufforderung der Landesbank-Kommission hat die Bank bei Deloitte ein Gutachten zum damaligen Wert der Rechte in Auftrag gegeben. Über die Ergebnisse des Gutachtens wurde in einer Kommissionssitzung kurz berichtet. Veröffentlicht wurde es nicht. Auch die Mitglieder der Kommission bekamen es trotz wiederholter Nachfrage und angebotener Geheimhaltung nicht, nicht einmal zu lesen. Das ist ungewöhnlich und spricht nicht für die Validität des verkündeten Ergebnisses.

Dieses Verhalten von Bank und Ministerium zeigt aber vor allem, dass die Landesbank-Kommission von Bank und Ministerium daran gehindert wird, ihre Pflicht zu erfüllen. Die HGAA war also weder ein Einzelfall des Kontrollversagens noch wurde aus den Ergebnissen gelernt.

Herrmann außer Kontrolle

Seitens des Freistaats als 95%-Eigentümers erfolgt die staatliche Kontrolle der BayernLB nach dem im Jahr 2009 geänderten Bayerischen Landesbankgesetz durch die Mitglieder des Verwaltungsrats, die von den Ministerien bestellt sind. Im Verwaltungsrat der BayernLB sitzen von Seiten des Kabinetts derzeit neben dem Finanzminister noch der Innenminister und der Wirtschaftsminister. Wie wird die Kontrolle wahrgenommen?

Wirtschaftsminister Zeil schreibt dazu in einem Vermerk von 2009: „Die Oppositionsfraktionen werden in Kürze die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses beantragen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Teilnahme des offiziellen Vertreters des Staatsministeriums für die vollständige Dauer der Sitzung erforderlich“.

Innenminister Herrmann kommt erst gar nicht: Er hat seine Kontrollaufgabe seit mehr als einem Jahr nicht wahrgenommen, lässt sich stattdessen immer vertreten. Das mag nach der derzeitigen Rechtslage formal zulässig zu sein, im Landesbankgesetz steht jedoch eindeutig, dass der Innenminister Mitglied des Verwaltungsrats ist und dass er diese Aufgabe auch wahrnehmen muss. Das Verhalten Herrmanns entspricht damit jedenfalls nicht der Intention des Gesetzes und ist angesichts der desaströsen Erfahrungen von Bank und SteuerzahlerInnen mit dem jahrelangen Kontrollversagen in der Bank nicht entschuldbar.

Überhaupt nicht nachvollziehbar sind zudem Herrmanns Ausreden:

Innenminister Herrmann begründet seine Dauer-Abwesenheit im Verwaltungsrat der BayernLB mit Interessenskonflikten, weil er gleichzeitig für die Rechtsaufsicht über die Sparkassen zuständig sei.

Abgesehen davon, dass er nicht als Person die Rechtsaufsicht ausübt – das machen die Regierungen – verwechselt Herrmann die Rechtsaufsicht über die Sparkassen mit der Vertretung der Interessen der Sparkassen. Bei der Rechtsaufsicht geht es ausschließlich um die ordnungsgemäße Durchführung der Geschäftstätigkeiten der Sparkassen, also die Einhaltung von Gesetzen, Vorschriften und Pflichten z.B. gegenüber der Finanzaufsicht.

Das Verhalten des Ministers offenbart eine Verantwortungsverweigerung der Exekutive. Bis heute hat also der HGAA-Skandal zu keiner neuen, ernsthaften Kontrollkultur der Staatsregierung geführt.

Stockendes EU-Beihilfeverfahren

August: Almunia: „Die schwierigste Landesbank ist die BayernLB.“ Seit drei Jahren schleppt sich das Verfahren hin, weil weder der ehemalige Finanzminister noch der Bankvorstand noch die Sparkassen auch nur ansatzweise ihre Hausaufgaben gemacht haben. Auf wiederholte Kritik der Opposition, die Verhandlungen im Interesse der Bank endlich voranzubringen, wurde zunächst geantwortet, man wolle so schnell gar keinen Abschluss und dann, die Zeitverzögerungen lägen ausschließlich an der EU (die in der Zwischenzeit ein Beihilfeverfahren nach dem anderen abschloss, nur eben nicht das mit der BayernLB). Tatsache ist: Es gab nie ein für die EU verhandelbares Gesamtpaket, weil die EU-Vorgabe einer substantiellen Beteiligung der Sparkassen einfach ignoriert wurde.

Im Beihilfeverfahren sind vor allem zwei Baustellen noch offen:

  • Die Beteiligung der Sparkassen: Mit seiner Rücksichtnahme auf die Belange der Sparkassen hat der damalige Finanzminister Fahrenschon das Beihilfeverfahren in eine dramatische Situation manövriert, die EU droht offen mit einem eigenen Beihilfeverfahren gegen die Sparkassen, was für diese existenziell wäre. Fahrenschon ist zwar jetzt Sparkassenpräsident, doch seine Verweigerungshaltung fällt den Sparkassen nun auf die Füße.
  • Der Verkauf der GBW: Finanzminister Söder hat in seiner kurzen Amtszeit schon alles vertreten: eine vorübergehende Übernahme durch eine staatliche Stiftung, den Verkauf an ein kommunales Konsortium, den Verkauf auf dem freien Markt mit einer Sozialklausel. Damit verstärkt er die Verunsicherung der gut 80.000 BewohnerInnen.

Auch zuvor hatte die Staatsregierung in Sachen GBW nichts gemacht, jedenfalls war der EU nichts bekannt. Stattdessen wurde wenig wahrheitsgetreu berichtet, die EU wolle alleine entscheiden, nach welchem Verfahren die GBW zu verkaufen sei.

Die Grünen wollen einen Verkauf der GBW an ein kommunales Konsortium. Das ist wirtschaftlich möglich und sozialpolitisch die beste Lösung.

Zudem hat die BayernLB hat im EU-Beihilfeverfahren immer wieder darauf gedrängt, möglichst viel an ausländischem Geschäft zu behalten. Die Grünen haben das stets abgelehnt, weil die Bank dazu weder einen öffentlichen Auftrag als „Staatsbank“ hat, noch die Kompetenz als international vergleichsweise kleine Bank.

Tatsache ist aber auch, dass der deutsche Markt dauerhaft zu klein ist für sieben Landesbanken. Deshalb liegt die Zukunft des deutschen Landesbankensystems nicht nur in einem Rückzug aus dem internationalen Geschäft, sondern sie muss weitergehen. Die Grünen streben perspektivisch seit mehreren Jahren eine schrittweise Fusion der Landesbanken und ihre Ausrichtung auf den Bedarf der Sparkassen und Kommunen an.

Gesetzesinitiative zur Änderung des Landesbank-Gesetzes

Als Konsequenz aus unserer massiven Kritik am fehlenden Kontrollwillen der Mitglieder der Staatsregierung, daran, dass der Kontrollwille der Opposition ausgebremst wird und als Konsequenz aus der notwendigen strategischen Neuausrichtung der Bank, haben die Grünen eine Gesetzesinitiative zur Änderung des Landesbank-Gesetzes eingebracht.

Eingrenzung der Geschäftstätigkeit der BayernLB

Eigengeschäfte der BayernLB, insbesondere im Investmentbanking (ABS-Papiere), waren ein wesentlicher Grund für den Absturz der BayernLB. Trotzdem lässt das aktuelle Landesbankgesetz, was die mögliche Geschäftstätigkeit der Landesbank angeht, keine echte Beschränkung der Geschäftstätigkeit erkennen.

Die Grünen fordern daher eine Formulierung des Landesbankgesetzes, die Geschäfte, die die Erfüllung des öffentlichen Auftrags gefährden könnten, verbietet und den Eigenhandel der Bank mit Wertpapieren untersagt.

Zudem muss klar sein, dass das Aufgabengebiet der BayernLB in Deutschland und insbesondere in Bayern liegt. Bankgeschäfte im Ausland sind keine Erfüllung des öffentlichen Auftrags der Bank und sie stellen ein Risiko dar, das dem Staat und den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern nicht aufgebürdet werden darf. Eine weitgehende regionale Beschränkung erleichtert zudem den von uns angestrebten Pfad einer Konsolidierung des gesamten deutschen Landesbanken-Systems. 

Die von Söder offenkundig angestrebte Vertagung einer Konkretisierung des künftigen Geschäftsmodells lehnen wir ab.

Neubesetzung des Verwaltungsrates der BayernLB

Die derzeitige Zusammensetzung des Verwaltungsrats verhindert eine effektive Kontrolle der Bank. Wir Grüne fordern deshalb seit langem eine Neubesetzung des Verwaltungsrats.

Dem Verwaltungsrat sollen in Zukunft von Seiten der Staatsregierung nur der Staatsminister der Finanzen und ein weiterer Vertreter des Staatsministeriums der Finanzen angehören. Neben den externen Fachleuten kommen neu in den Verwaltungsrat VertreterInnen der Legislative, jeweils ein Verwaltungsratsmitglied pro Fraktion, bestimmt von den Fraktionen des Landtags. Das hat vor allem zwei Gründe:

  • Gerade die Opposition hat im Gegensatz zu Innenminister Herrmann in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, dass sie kontrollwillig und kontrollfähig ist, in beidem aber immer wieder in den bestehenden Strukturen ausgebremst wurde.
  • Die BayernLB ist aufgrund ihrer Größe die einzige Beteiligung des Freistaats, die geeignet ist, die Budgethoheit und damit das Königsrecht des Parlaments auszuhebeln. 2008 stand der Landtag vor der Situation, einer 10-Milliarden-Euro-Spritze zustimmen zu müssen, ohne dass die VertreterInnen der Legislative irgendeinen Einfluss auf die oder Kontrolle über die Bank gehabt hätten.

Den Plan Söders zu einer vollständigen Entpolitisierung der Eigentümer-Kontrolle lehnen wir strikt ab. Bei einer Bank, die dem Staat gehört, die einen öffentlichen Auftrag hat und für die die SteuerzahlerInnen geradestehen mussten und müssen, darf sich der Staat nicht seiner Kontroll-Verantwortung entledigen. Deshalb lehnen die Grünen es ab, die Kontrolle vollständig oder mehrheitlich an Personen zu delegieren, die nicht im Eigentümerinteresse agieren und bei denen nicht einmal sichergestellt ist, dass sie nicht spezielle Eigeninteressen z.B. Geschäftsbeziehungen mit der Bank haben. Wer eine Bank besitzt, der ist auch dafür verantwortlich.

Deshalb bleibt durch das nach wie vor geltende doppelte Stimmrecht für die Vertreter des Staatsministeriums der Finanzen die Mehrheit im Verwaltungsrat bei den staatlichen Vertretern.

Eike Hallitzky, MdL, Mitglied in der parlamentarischen BayernLB-Kommission

BayernLB Jahresrückblick 2011 in Stichworten

Januar: Gerhard Gribkowsky wird wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall in Tatmehrheit mit Untreue in einem besonders schweren Fall und wegen Steuerhinterziehung verhaftet.

Februar: In ihrem vorläufigen Abschlussbericht zum Kauf der HGAA müssen selbst CSU und FDP feststellen: „Alle Verwaltungsratsmitglieder handelten sorgfaltswidrig. Alle Verwaltungsratsmitglieder handelten fahrlässig.“ Die Grünen – wie auch Experten – halten diese einfache Fahrlässigkeit für ausreichend für Schadensersatzforderungen gegenüber allen VR-Mitglieder (Das Aktiengesetz kennt keinen Unterschied in den Sorgfaltspflichten innerhalb der Organe einer Gesellschaft.) 

März: Die Landtagsdebatte über die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses zur HGAA-Affäre belegt eine völlige Kontrollverweigerung der Verwaltungsräte. Gegen Finanzminister Faltlhauser und Sparkassenpräsident Naser soll wegen grober Fahrlässigkeit juristisch vorgegangen werden. Die anderen Verwaltungsräte sollen von den Vertretern der Staatsregierung verschont werden.

April: Mit Stefan Ermisch verlässt einer der maßgeblichen Architekten für den nötigen Umbau der BayernLB die Bank. Neben der schwierigen Kooperation mit dem autokratisch agierenden Häusler ist ein Grund dafür die Unfähigkeit der Bank, gemeinsam mit dem Minister und den Sparkassen die EU-Beihilfeverhandlungen weiterzubringen.

Mai: Die von der BayernLB beauftragten Gutachter von Deloitte haben angeblich festgestellt, dass die Formel 1-Anteile nicht unter Preis verkauft worden sind. Das Gutachten wurde den Mitgliedern der LB-Kontrollkommission auch auf wiederholte Aufforderung hin nicht zur Einsicht gegeben.

Juni: Beschluss des Verwaltungsrats der BayernLB, Schadenersatzklagen gegen die ehemaligen Vorstände zu erheben, die am Kauf der Mehrheit an der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) und an den ABS-Geschäften beteiligt waren. Was fehlt, ist ein Beschluss der Bank ihrerseits, alle damaligen Verwaltungsräte der BayernLB zur Rechenschaft zu ziehen.

Juli: Das Münchner Landgericht erklärt den durch das Amtsgericht München erlassenen Durchsuchungsbeschluss, aufgrund dessen die Geschäftsräume von Attac durchsucht worden waren, für rechtswidrig. Attac hatte Teile des FGS-Gutachten ins Netz gestellt. Hier wurde erkennbar versucht, die Überbringer schlechter Nachrichten mundtot zu machen.

Juli: Das Tauziehen zwischen EU-Kommission und Bayerischer Landesbank im EU-Beihilfeverfahren dauert bereits so lange wie bei keiner anderen Bank. Die Grünen fordern Bewegung sowohl vom Minister als auch von BayernLB und Sparkassen sowie ein Geschäftsmodell, dass die Bank nicht in Konkurrenz zu den Sparkassen bringt, sondern auf eine enge und verbindliche Kooperation setzt.

August: Almunia: „Die schwierigste Landesbank ist die BayernLB“

September: Das EU-Beihilfeverfahren stockt noch immer. Finanzminister Fahrenschon kann oder will kein für die EU verhandlungsfähiges Paket schnüren. Stattdessen wirft er der Opposition vor, die Entwicklung der BayernLB schlecht zu reden. Man fühlt sich an altgriechische Traditionen erinnert (zu köpfen ist nicht der Versager, sondern der, der darüber die Öffentlichkeit informiert).

  • Constantin Medien klagt gegen Gribkowsky und Ecclestone auf 171 Millionen Dollar Schadensersatz wegen eines Unterwertverkaufs der Formel 1-Rechte. (s. u.)
  • Die Ungarntochter MKB fährt erhebliche Verluste ein, nicht zuletzt weil die Regierung ein Gesetz erlassen hat, dass Schuldner ihre Euro-Kredite (zu wesentlich günstigeren Konditionen) in Forint-Darlehen tauschen können. Im November stuft Moody´s die Volkswirtschaft Ungarns auf Ramschstatus herab. Der Verkauf der MKB ist zwar angeblich seit zwei Jahren Ziel der BayernLB, Vorstand und Verwaltungsrat hatten aber beim Verkaufspreis zu hoch gepokert.

Oktober: Die Grünen fordern den Verkauf der GBW an ein Kommunalkonsortium. Einmal mehr wird wahrheitswidrig behauptet, das erlaube die EU nicht.

  • FM Fahrenschon kündigt seine Kandidatur als Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes an – halb Flucht vor Seehofer, halb „Belohnung“ für scheinbar sparkassenfreundliches Verhalten im EU-Beihilfeverfahren.

November: Söder wird Fahrenschons Nachfolger. Er wechselt sich sozusagen selber von der Zuschauerbank ein.

  • 52 Mio. Euro stehen in Jefferson County im Feuer. Ohne jede Kontrolle deckte sich die BayernLB nicht nur mit den berüchtigten Subprime-Immobilienpapieren ein, sondern auch mit amerikanischen Kommunalschuldverschreibungen. Im ersten BayernLB-Untersuchungsauschuss 2008 gab es seitenweise Listen von amerikanischen Städten, Landkreisen (Counties) und Bundesstaaten, denen die BayernLB via Ankauf von Schuldtiteln Milliarden an Dollars hinblätterte. Jefferson County war nur ein Name auf der Liste.
  • Moody´s stuft die BayernLB gleich um drei Stufen herab. Es liegt diesmal nicht an der Eigenkapitalausstattung der Bank, wenn der Ratingdaumen nach unten zeigt. Vielmehr ist es ein deutlicher Misstrauensbeweis der Agentur gegenüber dem aktuellen Geschäftsmodell und der zukünftigen Unterstützung der Eigentümer im Falle der fortgesetzten Krise.
  • Innenminister Herrmann räumt ein, sich seit einem Jahr seinen Kontrollpflichten im Verwaltungsrat der BayernLB zu verweigern.

 Dezember: Das EU-Beihilfeverfahren spitzt sich zu.