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Aaa …Ade

BayernLBs schwarze Zukunftsperspektiven:

Hier geht´s zum Link der Pressemitteilung der Fraktion der Grünen im Bayerischen Landtag anlässlich der Rating-Herabstufung der BayernLB.

Kommentar zum Q3-Ergebnis der BayernLB:

Immer wenn eine Bank Verluste schreibt, verteidigt sich dessen Management, dass Risiken-auf-sich-nehmen doch das Wesen der Finanzbranche ist. Fragt man die gleichen Manager, warum sie Bilanzen-verhagelnde ABS-Papiere, griechische und italienische Staatsanleihen oder x-beliebige Kommunalschuldverschreibungen in die Bücher nahmen, heißt und hieß es:  ”Es sei nicht ihre Schuld, denn xy war zum Zeitpunkt des Kaufs mit besten Ratings ausgestattet (Triple-A), unser Investment qua Ratingagentur ohne Risiko (*) ! Ruft man sich jetzt den ersten Banker-Verteidigungssatz in Erinnerung -”das Wesen von Banken ist die Risikoübernahme“-, so wundert sich der Laie, wie man bei den angeblich risikofreien Geschäften so gierig sein konnte. Vorstand und Verwaltungsräte hatten beim Genehmigen und Durchführen der Milliardeninvestitionen schlichtweg ausgeblendet, dass Bankenland nicht ohne Risiko funktioniert. Völlig im Vertrauen, dass Gebietskörperschaften nie Pleite gehen können wurde für deren Papiere so gut wie keine Risikovorsorge gebildet. (–> Stichwort: “Moral Hazard” – irgendjemand wird schon bürgen und außerdem sind wir “too big to fail”!). (**)

Dass der Vorstandsvorsitzende der BayernLB anlässlich der Q3-Berichterstattung den jüngsten Quartalsverlust auf die “Staatsschuldenkrise” schiebt, ist vor oben beschriebenem Hintergrund unseriös.  Dass er den ungarischen Staat als zweiten Schuldigen auserkor, ist nicht besser. Über Jahre verkaufte die BayernLB-Tochter MKB den Ungarn und Ungarinnen Schweizerfrankenkredite, die heute wegen des ungünstigen Wechselkurses des Forints zum Franken für Tausende KreditnehmerInnen unbezahlbar wurden. Der ungarische Staat zog für seine Bürger die Notbremse und verordnete einen relativ günstigeren Zwangsumtauschkurs zu Lasten der Kreditgeber. Wäre Herrn Häusler etwa lieber gewesen, dass die Kreditnehmer Privatinsolvenz anmelden und von den ausstehenden Krediten gar nichts mehr zurückfließt?  

Nein, Häusler ist definitiv nicht für die Altlasten der BayernLB verantwortlich. Es stünde ihm und seinem Institut deutlich besser, wenn er dafür nicht neue Schuldige suchte. Wir kennen die Verantwortlichen mit Namen: Schmidt samt ehemaligen Vorstandskollegen, Schmid, Faltlhauser, Naser, Beckstein, Huber, Schaidinger mit den ehemaligen Verwaltungsratskonsorten, auch Stoiber, um nur die Prominentesten zu nennen.

Auf alle Fälle ist das A-Rating weg. Die BayernLB ist nur mehr B-Klasse. Als Folge wird der Druck auf die bayerischen Sparkassen steigen, dass sie ihren Rettungsbeitrag proportional zur historischen Verantwortung übernehmen. Die EU-Kommission wird hier nicht locker lassen - auch Seehofer nicht, er will Geld zurück, am besten vor den nächsten Wahlen!

 

 (*) wie Dutzende Zeugenaussagen von Bankern und Verwaltungsräten im ersten und zweiten BayernLB-Untersuchungsausschuss belegen.

(**) die Dimension, dass bei den meisten Auslandsengagements der Kundenbezug fehlte und eine Landesbank dafür keinerlei komparative Vorteile bietet, weder über entsprechendes Know-How und Ressourcen, noch über adäquates Risikomanagement verfügt, führen wir an dieser Stelle nicht weiter aus.

Moody´s bestraft Bayerische Staatsregierung

Eigentümer der BayernLB haben Hausaufgaben nicht gemacht und Bank in schwierige Position manövriert

Die Ankündigung Seehofers, aus der Bank noch vor den nächsten Landtagswahlen Kapital abzuziehen, also die Bank substantiell zu schwächen, sowie Fahrenschons Abgang als Finanzminister, was nur als Flucht vor weiterem Schlingerkurs gewertet werden kann, sind zum Schaden der Landesbank. Die Konsequenz folgt auf dem Fuße: Moody´s stufte die BayernLB als erste Ratingagentur herab, gleich um drei Stufen!

Es liegt diesmal nicht an der Eigenkapitalausstattung der Bank, wenn der Ratingdaumen nach unten zeigt. Vielmehr ist es ein deutlicher Misstrauensbeweis der Agentur zum aktuellen Geschäftsmodell und zur zukünftigen Unterstützung der Eigentümer im Falle der fortgesetzten Krise. Die Ausrichtung der BayernLB ist unklarer denn je, zerrissen im Spagat zwischen den Wünschen der Staatsregierung und des Vorstands einerseits und bedroht vor einschneidenden Auflagen der EU-Kommission im laufenden Beihilfeverfahren andererseits.

Die Versäumnisse der Vergangenheit, die sich in den herben Verlusten der ungarischen MKB-Beteiligung und den Abschreibungen aus Investments in Papieren ausländischer Gebietskörperschaften (Griechenland, Jefferson County, u.v.m.) zeigen, nagen an der Zukunftsfähigkeit unserer Landesbank. Noch viele Milliarden solcher Papiere schlummern in den Büchern der BayernLB. Mindestens im selben Ausmaß schädlich für ein besseres Rating sind die Eitelkeiten unserer Staatsregierung, der Sparkassen und Landesbanker bundesweit, die mangels rechtzeitiger Bereinigung des Landesbankensektors einen unsinnigen Wettbewerb zwischen den Instituten förderten und die Fokussierung auf die “einzige Kernkompetenz der Landesbanken”, nämlich der „Verankerung in der Region“, vergessen ließen.

Mit dem Ratingverlust verteuern sich jetzt entweder die Kredite für die Geschäftskunden oder – viel wahrscheinlicher – die Gewinnmarge zeigt weiter nach Süden.

Ihr Eike Hallitzky