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Formel 1-Rechte unter Wert verkauft

Staatsregierung muss Deloitte-Gutachten vorlegen
aus unserer Pressemitteilung, München, 26.10.2012/lem.

Die Grünen im Bayerischen Landtag begrüßen die Schadensersatzforderung der BayernLB an Bernie Ecclestone, kritisieren aber, dass diese viel zu spät komme. „Diese Klage bestätigt meine seit einem Jahr kommunizierte Vermutung, dass die Formel1-Rechte damals deutlich unter Wert verramscht wurden – zum Schaden der bayerischen Steuerzahler und -zahlerinnen“, erklärt Eike Hallitzky, Mitglied der Landesbankkommission, und macht dem damaligen Vorstand und den CSU-Verwaltungsräten massive Vorwürfe. „Man hatte in der BayernLB nicht auf mich gehört, sondern stattdessen behauptet, der Kaufpreis sei korrekt gewesen und dies hätte auch ein Gutachten von Deloitte bestätigt.“ Dieses habe die Landesbank-Kommission trotz seiner wiederholten Anfragen nie vorgelegt bekommen.

Eike Hallitzky kritisiert diese Desinformation gegenüber den Abgeordneten scharf. „Meiner Erkenntnis nach kommt das Deloitte-Gutachten durchaus zu dem Schluss, dass der Verkaufspreis deutlich zu niedrig lag.“ Wenn man das nicht zugeben wolle, dann wolle man wohl einmal mehr das Versagen der damaligen Vorstände und Aufsichtsräte vertuschen. „Ich verlange die sofortige Vorlage des Gutachtens.“

Ob es tatsächlich gelinge, die 400 Millionen einzuklagen, sei höchst fraglich.
„Schließlich hatten der damalige Bankenvorstand und der Verwaltungsrat in hohem Maße fahrlässig gehandelt.“ So sei das 4-Augen-Prinzip, nach dem bei wichtigen Entscheidungen sich mindestens zwei Personen damit inhaltlich auseinandersetzen müssen, beim Verkauf der Formel 1-Rechte zu keiner Zeit angewendet worden. „Es kam keiner auf die Idee, eine externe oder zumindest interne Bewertung der Formel1-Rechte einzufordern. Stattdessen wurde alles, was Gribkowsky wollte, abgenickt, weil alle froh waren, die Rechte los zu sein.“

Eike Hallitzky befürchtet zudem, dass die Klage von Constantin-Medien vor dem Londoner High Court schlagend werden könnte. „Dort wird ja gegen die Vertreter der BayernLB geklagt, weil ab einem Verkaufspreis von mehr als 1,1 Milliarden Euro ein Teil der Erlöse den Kirch-Nachfolgern zusteht. Mit ihrer überfälligen Klage bestätigt die BayernLB diese Einschätzung ja indirekt.“

Zeugen im Gribkowsky Prozess: Siegfried Naser, Burkhard Göschel, Eckhard Cordes

Nie sah Naser Probleme bei den Kreditersatz-Aktivitäten der BayernLB-Vorstände. Naser hat auch nie kritisch hinterfragt, er hätte die Antworten wohl auch nicht verstanden. Den öffentlich-rechtlichen Auftrag der Landesbank ließ der ehemalige Sparkassenpräsident ganz außer Augen. Die Jefferson County Pleite ist genau solchem Aufsichtsungebaren zuzuschreiben.

Naser ließ keine Chance aus, nichts zu hinterfragen. So konnte der Vorstand auch beim Verkauf der Formel-1-Anteile den Verwaltungsrat leicht an der Nase führen. Es kommt noch besser: Als Zeuge im Gribkowsky Prozess meinte Naser gestern, dass er einer 66-Millionen-Provision an Ecclestone auch zugestimmt hätte, wenn er darüber informiert gewesen wäre.

Ecclestone schickte CVC zwar als Käufer der Formel-1-Anteile vor, Nutznießer des Geschäfts war alleine Ecclestone. Mit diesem Deal zementierte er seine Formel-1-Macht endgültig. Dem offensichtlich einzigen Profiteur 66-Millionen Dollar Provision dafür zu zahlen, was er unbedingt haben will, grenzt an kaufmännische Dummheit. Da muss man noch nicht einmal krumme Gegengeschäfte oder Kickbacks für und mit Gribkowsky vermuten.

Die Legende vom Gegen-Rennzirkus 

Wo Geld ist, wird über dessen Verteilung gestritten - regelmäßig. Klar ist, dass die Automobilhersteller mehr vom Formel-1-Kuchen für sich beanspruchten, Ecclestone es ihnen aber nicht geben wollte. Die Drohung eine alternative Rennserie aufzubauen wurde nicht zum ersten Mal ausgesprochen, ging doch immer ins Leere.

Eckhard Cordes und Jürgen Hubbert , ehemalige Daimler Manager, und Burkhard Göschel, ehemaliger BMW Manager bestätigten vor Gericht den Plan der großen Automobilhersteller, die Grand Prix World Championship Serie aufzubauen, wenn es mit Ecclestone keine Einigung gibt. Zum Zeitpunkt des Verkaufs der Anteile an CVC allerdings bezeugte Burkhard Göschel, dass die Idee der alternativen Rennserie bereits im Abklingen war, auch der wichtigste Formel-1-Rennstall Ferrari war nicht mitgezogen. Göschel: Der Verkauf an CVC habe zu einem Zeitpunkt stattgefunden, “als das Thema alternative Rennserie eher schon im Abklingen war“.

Göschels Aussage spricht auch für meine These, dass die Formel-1-Anteile unter Wert an CVC verkauft wurden, freihändig und ohne Ausschreibung. Anders formuliert: Hätte man ernsthaft an der GPWC-Serie glauben müssen, Ecclestone als Insider hätte sich niemals für sich und CVC eingesetzt, er hätte niemals Gribkowsky ‘für dessen Dienste bezahlt’.

Und die großen Automobilkonzerne: Warum haben eigentlich die nicht bei den Formel-1-Anteilen der BayernLB zugegriffen? Hinter den Kulissen war wohl alles schon gelaufen. Der Kuchen der milliardenschweren Marke Formel-1 war gütlich aufgeteilt – bis zum nächsten Streit!

Ihr Eike Hallitzky