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Von Verantwortung und Verantwortungslosigkeit oder was hat Ecclestone mit der CSU zu tun

Anlässlich des heutigen Prozesstages, an dem es Bernie Ecclestone gelingen könnte, sich mit über 100 Millionen Dollar aus der Verantwortung im Schmiergeldprozess BayernLB-Gribkowsky-Formel1 freizukaufen ein…

… kurzes Dossier über die gemeinsame Geschichte der Formel1-Rechte und der BayernLB als einer Aneinanderreihung politischer Skandale
Von Eike Hallitzky, 
Mitglied der Landesbank-Kommission von 2008 bis 2013

http://www.eike-hallitzky.de/2839.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=6249&cHash=32d99bea9a4d21068f350cfa9f436ba3

Ihre Milliardengrab-Redaktion

Bilanz zu fünf Jahre Landesbank-Kommission

Das politische und finanzielle Desaster der Landesbank

Der Vermögensschaden ist immens. Der politische Einfluss der CSU hat die BayernLB in Existenznot gebracht. Die dadurch notwendige Rettung der Bank Ende 2008 hat die bayerischen SteuerzahlerInnen bisher über zehn Milliarden Euro gekostet. Die „Rückzahlungen” der BayernLB konnten bisher nur die notwendigen Zinszahlungen Bayerns für den zehn Mrd. Euro-Kredit ausgleichen. Und viel mehr wird es auch in den kommenden Jahren nicht werden. Dazu kommt der Wertverlust der Bank, die in guten Zeiten acht Mrd. Euro wert war und heute unverkäuflich ist.

Die EU-Kommission hat in ihrem Beihilfeverfahren entschieden, dass die BayernLB drei der zehn Mrd. Euro zurückzahlen soll, zuzüglich eines so genannten ‚Claw Back‘ und Gebühren für die 4,8 Mrd. Euro schwere Garantie des Freistaats für das ABS-Portfolio der Bank. Das sind insgesamt knapp fünf Mrd. Euro, die die Bank zahlen muss – wenn sie kann. Die restlichen sieben Mrd. Euro Eigenkapitalhilfe an die Bank müssen definitiv nicht zurückgezahlt werden. Dieser Schaden bleibt im Minimum dauerhaft an den bayerischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern hängen – plus Zinsen.

Im Einzelnen sieht die Bilanz für die Jahre 2008 bis 2013 so aus:
2008/2009
Eigenkapitalhilfe                                                          7.000 Mio. Euro
Stille Einlage                                                                 3.000 Mio. Euro
Zinsen                                                                              49,28 Mio. Euro
Ersatzzahlungen Fonds OZB*                                     28,95 Mio. Euro
2010
Zinsen                                                                                   278,87 Mio. Euro
Ersatzzahlungen Fonds OZB*                                           28,95 Mio. Euro
2011
Zinsen                                                                             342,20 Mio. Euro
Ersatzzahlungen Fonds OZB*                                      28,95 Mio. Euro
2012
Zinsen                                                                             355,30 Mio. Euro
Ersatzzahlungen Fonds OZB*                                      28,95 Mio. Euro
2013
Zinsen                                                                             348,00 Mio. Euro
Ersatzzahlungen Fonds OZB*                                      28,95 Mio. Euro

GESAMT BELASTUNG für den STAAT:       11.518,40 Mio Euro

2008/2009
Gebühr für ABS-Abschirmung                                       21,6 Mio Euro
2010
Gebühr für ABS-Abschirmung                                       24,27 Mio Euro
2011
Gebühr für ABS-Abschirmung                                       24,27 Mio Euro
2012
Claw-Back-Gebühr und Rückzahlung                             351 Mio Euro
2013
Claw-Back-Gebühr                                                              279 Mio Euro
Rückzahlung                                                                         451 Mio Euro

GESAMT ZAHLUNGEN Bank an den STAAT:  1.151,14 Mio Euro

* Arbeitsmarkt- und Sozialfonds, Hochschule International, Kulturfonds, Künstlerhaus Bamberg, Umweltfonds, Altlastensanierungsfonds, Naturschutzfonds. Das Kapital dieser Fonds wurde für zur Finanzierung des Kaufs der HGAA in Eigenkapital der BayernLB umgewandelt.

Für die Bank bestehen weitere Milliardenrisiken: Zum einen ist nicht sicher, ob die HGAA die internen Kredite der BayernLB, von denen Österreich behauptet, es seien verdeckte Eigenkapitalhilfen gewesen, zurückzahlen wird. Zum anderen hat auch die ungarische BayernLB-Tochter MKB interne Kredite der BayernLB erhalten. Durch die Politik der ungarischen Regierung werden ausländische Banken in Ungarn schleichend enteignet. Hier geht es um knapp zwei Mrd. Euro. Diese Risiken könnten den Rückzahlungsplan der EU zunichtemachen.

LBKom und Aufklärungsdruck der Grünen seit 2008:

1. Erster Untersuchungsausschuss
Angesichts dieser Milliardenverluste haben die Landtagsgrünen einen hohen Aufklärungsdruck aufgebaut. Der erste Untersuchungsausschuss arbeitete von März bis Juli 2008 zur Verantwortung und zur Parlamentsdesinformation des damaligen Finanzministers Erwin Huber.

Die zentralen Ergebnisse waren:
* Huber hatte im Vorfeld der Landtagswahlen versucht, Öffentlichkeit und Parlament über das Ausmaß der Schäden im Unklaren zu lassen.
* Es wurden gravierende Versäumnisse beim Verhalten der Verwaltungsräte festgestellt: „Abnicken ohne Rückfragen”.
* Die Parlamentsopposition musste von der CSU im Zusammenhang mit der BayernLB-Krise endlich ernst genommen werden.

2. Die Errichtung der Landesbank-Kommission
Nach der Landtagswahl 2008 forderten die Grünen die Einrichtung eines UA zur Begleitung der Krisenbewältigung der BayernLB. Diese Forderung vom Oktober 2008 war die Konsequenz aus der dramatischen Entwicklung der Bank bis zum Herbst 2008. Sie mündete in der Einrichtung der „Kommission zur parlamentarischen Begleitung der Krisenbewältigung bei der BayernLB”, kurz: LBKom.

Angesichts der Tatsache, dass der Landtag sich Ende 2008 genötigt sah, zehn Mrd. Euro auf Pump für die Rettung bereitzustellen, war eine dauerhafte Beteiligung des Landtags an Diskussionen um die Neuausrichtung der BayernLB absolut zwingend. Es ging um das größte finanzielle Desaster der Nachkriegszeit in Bayern. Die Rettung der Bank belastet jeden Bayern mit 800 Euro.

3. Wesentliche Ergebnisse der LBKom
Die LBKom hat wesentlich zur politischen Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten beigetragen. Die zentralen Themen der LBKom waren die Aufarbeitung des multiplen Desasters (HGAA, ABS, Formel 1), die Feststellung von Verantwortlichkeiten und das Aufzeigen der notwendigen Konsequenzen.

Eine Erfolgsgeschichte:
HGAA:
Auf Drängen der Staatsregierung kaufte die BayernLB gegen alle Warnungen aus der Due Dilligence und gegen alle Warnungen aus den öffentlichen Medien im Jahr 2007 die Hypo Alpe Adria. Die sehr kritische Diskussion des Kaufes in der Landesbank-Kommission korrespondierte mit dem Versuch des damaligen Finanzministers und des Vorstandsvorsitzenden der Bank, Risiken und Verantwortlichkeiten kleinzureden.
Der ‚Fall Linner‘ setzte die Staatsregierung massiv unter Druck, nachdem Hallitzky damalige Sitzungsprotokolle zugespielt worden waren, nach denen die Sonderermittlerin ihre klaren Zweifel an der Sorgfaltspflicht der Beteiligten nach einer Sitzung des Verwaltungsrates (und offensichtlich auf Druck) revidiert hatte.
Der ‚Fall Linner‘ und der 1-Euro-Notverkauf der HGAA an Österreich führten dann zur Einsetzung eines zweiten UA, der die Verantwortlichkeiten des HGAA-Abenteuers politisch aufarbeitete.

Dessen Fazit:
- Kosten für die bayerischen SteuerzahlerInnen knapp 3,8 Mrd. Euro, weitere Milliardenrisiken drohen.
- Die juristische Aufarbeitung kam in Gang, nachdem der UA sogar mit den Stimmen der Regierungsfraktionen eine Fahrlässigkeit bei allen Verwaltungsräten und Vorständen festgestellt hatte. Vermutlich kommen aber zumindest die einfachen Verwaltungsratsmitglieder davon, weil sie zuvor die juristische Latte für persönliche Verantwortung per Satzungsänderung selbstbegünstigend auf grobe Fahrlässigkeit gehoben hatten.

ABS-Papiere:
Vor rund zehn Jahren stieg die BayernLB ins große Geschäft mit strukturierten Wertpapieren auf Basis von US-Immobilien ein. In der Spitze besaß die BayernLB Papiere im Nominalwert von rund 35 Mrd. Euro, aktuell sind es noch über acht Mrd. Euro. Die von den Grünen vorgeschlagenen Gutachter der Kanzlei Flick-Gocke-Schaumburg (8/2010) lieferten klare Belege dafür, dass mit dem Kauf dieser Papiere Vorstände und Verwaltungsräte grob fahrlässig gehandelt haben. Angeklagt sind aktuell aber nur die früheren Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Naser und Faltlhauser, da nach Einschätzung der Bank nur diesen grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann.

Formel 1-Rechte:
Obwohl die Risikoabteilung der BayernLB eindringlich davor warnte, zahlte die BayernLB auf Drängen Stoibers im Jahr 2001 einen zwei Mrd. DM Kredit an Leo Kirch, der nur ein Jahr später pleite war. Die BayernLB hatte dadurch einen Verlust von 1,1 Mrd. Euro zu verkraften und kam dafür in den Besitz der Formel 1-Rechte. Damit ging der Fall Gribkowsky-Ecclestone los. BayernLB-Vorstand Gribkowsky ließ sich von Ecclestone schmieren und verkaufte die Rechte unter Wert an Ecclestone. Im Endeffekt machte die BayernLB damit mehrere hundert Mio. Euro Verlust. Ohne die Grünen in der LBKom wäre die Debatte über einen dreistelligen Unterwertverkauf nicht angestoßen worden, das Gutachten der Bank von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte dazu kaum erstellt, der Versuch, Schadensersatz neben Gribkowsky auch von Ecclestone zu erlangen, kaum gestartet worden.

4. Fazit der LBKom
Gegen die Blockadeversuche der CSU konnten wir uns erfolgreich wehren:
- Der Versuch, die LBKom über Risiken und Verantwortlichkeiten im Unklaren zu lassen, scheiterte spätestens mit dem Aufdecken des Falles Linner.
- Mitte 2012 hatte die CSU zudem versucht, die LBKom aufzulösen. Auch mit diesem Versuch scheiterte sie grandios. Die LBKom tagte anschließend weiter, als hätte es diesen Versuch nie gegeben.
- Die politische Aufarbeitung ist ohne die LBKom nicht, die juristische Aufarbeitung kaum denkbar.

Die LBKom war ein Erfolg:
- Der Bank geht es weit besser als zuvor, als sie von der CSU aufgeblasen wurde.
- Die Verantwortlichkeiten für das Fiasko sind weit klarer als zuvor.
- Defizite bestehen nach wie vor beim Tempo der juristischen Aufarbeitung sowie beim anhaltenden Bemühen der Staatsregierung, die Opposition bei der Kontrolle der BayernLB soweit als möglich außen vor zu halten. Hier wird wohl eine dauerhaft zukunftsfähige Aufsichtsstruktur erst durch geänderte Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl möglich werden.

Trotz dieser Einschränkungen hat die LBKom einen unverzichtbaren Beitrag dazu leisten können, dem Souverän einen klaren Blick darauf zu ermöglichen, wie und mit welchen dramatischen finanziellen Folgen für die SteuerzahlerInnen die BayernLB in der Vergangenheit als politische Bank missbraucht worden war. Und sie hat mit ihrem politischen Druck dazu beigetragen, dass die Ausrichtung der BayernLB vom kenntnislosen global player zum wichtigen regional player umgesetzt wurde.

Perspektiven der Bank: Die Bank ist in einer guten Spur, die Milliarden für immer weg

Als regionale und nationale Bank in Kooperation mit den Sparkassen ist die Bank mittlerweile in einer guten Spur, aber noch lange nicht am Ende des Umbauweges.

Die Zukunft der Bank kann nur im öffentlich-rechtlichen Sektor liegen. Deshalb ist eine weitere Intensivierung dieser Kooperation die einzige dauerhaft erfolgversprechende Perspektive für die BayernLB. Das kann eine Fusion unter den verbliebenen Landesbanken oder eine Integration mit dem bayerischen Sparkassensektor sein. Die hessisch-thüringische Landesbank HeLaBa hat das bereits vorgemacht. Dazu müssten aber auch unsere Sparkassen über ihren Schatten springen.

Für die SteuerzahlerInnen bedeutet die Rückführung der BayernLB und ihre Einbindung in den Sparkassensektor aber nicht nur weniger Risiko sondern auch: Das zur Rettung der Bank eingesetzte Geld ist unwiederbringlich verloren. Auch für einen Verkauf der Bank gibt es keine Option, weil es keine Käufer gibt. Die Privatisierungspläne von CSU und FDP sind also nichts als Phantasien und können getrost als Ablenkungsmanöver verbucht werden. Ablenkung davon, dass die angeblichen Finanzfachleute der rechts-konservativen Regierung den größten Anstieg der bayerischen Neuverschuldung seit Kriegsende zu verantworten haben.

9. Juli 2013

Eike Hallitzky, MdL, finanzpolitischer Sprecher

 

 

 

Formel 1-Rechte unter Wert verkauft

Staatsregierung muss Deloitte-Gutachten vorlegen
aus unserer Pressemitteilung, München, 26.10.2012/lem.

Die Grünen im Bayerischen Landtag begrüßen die Schadensersatzforderung der BayernLB an Bernie Ecclestone, kritisieren aber, dass diese viel zu spät komme. „Diese Klage bestätigt meine seit einem Jahr kommunizierte Vermutung, dass die Formel1-Rechte damals deutlich unter Wert verramscht wurden – zum Schaden der bayerischen Steuerzahler und -zahlerinnen“, erklärt Eike Hallitzky, Mitglied der Landesbankkommission, und macht dem damaligen Vorstand und den CSU-Verwaltungsräten massive Vorwürfe. „Man hatte in der BayernLB nicht auf mich gehört, sondern stattdessen behauptet, der Kaufpreis sei korrekt gewesen und dies hätte auch ein Gutachten von Deloitte bestätigt.“ Dieses habe die Landesbank-Kommission trotz seiner wiederholten Anfragen nie vorgelegt bekommen.

Eike Hallitzky kritisiert diese Desinformation gegenüber den Abgeordneten scharf. „Meiner Erkenntnis nach kommt das Deloitte-Gutachten durchaus zu dem Schluss, dass der Verkaufspreis deutlich zu niedrig lag.“ Wenn man das nicht zugeben wolle, dann wolle man wohl einmal mehr das Versagen der damaligen Vorstände und Aufsichtsräte vertuschen. „Ich verlange die sofortige Vorlage des Gutachtens.“

Ob es tatsächlich gelinge, die 400 Millionen einzuklagen, sei höchst fraglich.
„Schließlich hatten der damalige Bankenvorstand und der Verwaltungsrat in hohem Maße fahrlässig gehandelt.“ So sei das 4-Augen-Prinzip, nach dem bei wichtigen Entscheidungen sich mindestens zwei Personen damit inhaltlich auseinandersetzen müssen, beim Verkauf der Formel 1-Rechte zu keiner Zeit angewendet worden. „Es kam keiner auf die Idee, eine externe oder zumindest interne Bewertung der Formel1-Rechte einzufordern. Stattdessen wurde alles, was Gribkowsky wollte, abgenickt, weil alle froh waren, die Rechte los zu sein.“

Eike Hallitzky befürchtet zudem, dass die Klage von Constantin-Medien vor dem Londoner High Court schlagend werden könnte. „Dort wird ja gegen die Vertreter der BayernLB geklagt, weil ab einem Verkaufspreis von mehr als 1,1 Milliarden Euro ein Teil der Erlöse den Kirch-Nachfolgern zusteht. Mit ihrer überfälligen Klage bestätigt die BayernLB diese Einschätzung ja indirekt.“