>Bericht aus der UA-Sitzung vom 24. Juni

>Der erste Zeuge, Dr. Gerhard Gribkowsky, reihte sich in das Schweigen der Manager ein. Genauso wie seine früheren Vorstandskollegen nahm er vom Aussageverweigerungsrecht umfassend Gebrauch. Gegen Gribkowsky ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Viel interessanter -mit einer Ausnahme- waren die übrigen Zeugen. Die Ausnahme war der Zeuge Franz Erdmannsdorfer. Wie auch die anderen BayernLB-Mitarbeiter im heutigen Zeugenprogramm war er von der CSU vor den Untersuchungsausschuss geladen worden. Soll er doch im Projekt “Jointly Successful”, dem Integrationsprojekt von LB und HGAA, federführend tätig gewesen sein. Leider war er nur Designer des Integrationsprojektes, nicht aber Mitarbeiter im Projekt. Des Vorwurfs, dass der Zeuge von der CSU einfach ins Blaue ausgewählt wurde, damit die wirklich Verantwortlichen Verwaltungsräte noch drei Monate länger geschont werden, konnte sich UA-Chef-Kreuzer nicht erwehren.

Zeuge Schlosser: Zum Leidwesen Kreuzers hatte auch Martin Schlosser nichts mit dem Kauf der HGAA zu tun. Viel mehr war er mit der Vertragsgestaltung der externen Berater, die die Due Diligence durchführten, beschäftigt. Von Schlosser erfuhren wir, dass die Investmentbank Rothschild als Berater der BayernLB möglicherweise in einem Interessenkonflikt stand. Wäre der Deal geplatzt, so wäre auch das Erfolgshonorar futsch gewesen.

Den Unterschied zwischen einem ordentlichen Produktionsprozess von Schimmelpilzen und dem von Edelpilzen lernte der Vorsitzende Kreuzer beim Zeugen Wolfgang Rauch (im übertragenen Sinne) kennen: Nämlich gar keinen! Beide “ordentlichen Produktionsprozesse” können einwandfrei und ohne Mängel sein! Bei der Wahl des Zeugen Rauch -immerhin war er Teil des Due Diligence Teams im April/Mai 2007- dachte sich Kreuzer wahrscheinlich, dass es ein guter Zeuge sein wird, dass er endlich allen erklären wird, dass man in der Due Diligence keine Risiken entdeckt hatte. Rauch hatte aber nur die “Produktion von Risiken” zu beurteilen, und ob die HGAA-internen-Revisionsprozesse ordentlich funktionierten. Nicht aber hatte er zu prüfen, ob die eingegangenen Risiken schlagend werden und ob diese ausreichend gesichert waren. Die Prozessschwächen und Prozessrisiken der HGAA hatte Rauch sehr wohl notiert. Nach Erscheinen des Berichts der Österreichischen Nationalbank, wiederholte Rauch in einem Vermerk, dass die Prozess-Mängel schon in seinem Due Diligence Bericht standen! Es kommt noch besser: Rauch sagte aus, dass eine ganze Reihe von Prozessmängel schon im HGAA-eigenen “Group Audit Report” adressiert waren.

Zeuge Andreas Geltinger war im Frühjahr 2007 als Unternehmensbewertungsspezialist der BayernLB in Klagenfurt. Wie und warum sein Bewertungsergebnis von EUR 2.397 Mio. auf letztendlich weit über 3 Milliarden aufgepumpt wurde, konnte er sich nicht erklären. Welche Due Diligence Kosten zum Kaufpreis hinzugezählt wurden, und ob die bereits als notwendig bekannt gewesenen Kapitalerhöhungen sowohl bei Mutter und Tochter in der DCF-Methode Eingang gefunden hatten, konnte er nicht darlegen. Sicherlich werden uns das die Wirtschaftsgenies Huber und Naser vom Verwaltungsrat der BayernLB erklären!

Zeuge Elmar Meid: Er beschäftigte sich im Rahmen der Due Diligence mit Stichproben größerer Kreditengagements der HGAA. Meid erklärte, dass der Kreditgenehmigungsprozess der HGAA kulturell deutlich unterschiedlich zum Genehmigungsprozess der BayernLB sei. In Kärnten und am Balkan war die Marktseite die treibende Kraft, wohingegen in München die Marktfolge (Risikomanagement) wichtiger genommen werde. Meid sah dringenden Handlungsbedarf bei der HGAA.

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